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Interview mit Dr. Frithjof Reinhardt
Thema: Klassische Bildung in der heutigen Zeit [?...]
 
Was versteht man unter “klassische Bildung”?
Der Begriff der klassischen Bildung hat sich im Verlauf der Zeit gewandelt, von der Antike hin zur Renaissance. Heute verstehen wir unter klassischer Bildung eine Bildung, die sich an den Werten des Bildungssystems von Wilhelm von Humboldt orientiert. Dort zielt sie insgesamt auf eine Menschenbildung ab, indem traditionelle Sprachen oder klassische Sprachen wie Latein oder Griechisch introviert werden, aber gleichzeitig eine Allgemeinbildung entwickelt wird und damit auf das antike Bildungsideal Bezug genommen wird Da wird also ein Gedanke von der Antike zur Renaissance bis in die Moderne getragen. Heute ist klassische Bildung eine gewisse humanistische Ausbildung, die jemand genossen hat. Die klassische Bildung zielt darauf, dass der Mensch eigenständig denken kann und nicht den Vorstellungen und Gedanken der Moderne hinterherläuft. Die klassische Bildung zielt darauf, dass der Mensch zu einer autonomen, selbstständigen Persönlichkeit wird.
Worin liegt die Wichtigkeit der klassischen Bildung?
Heutzutage legen wir das Hauptaugenmerk auf eine sehr funktionale Nutzung der Bildungskenntnisse für die Bildungseinsichten in den Arbeitsprozess und lassen außer acht, dass klassische Bildung uns hohe Allgemenbildung vermittelt. Diese Bildung versucht uns Grundelemente menschlicher Bildung beizubringen oder anders ausgedrückt, uns zu einem Menschen überhaupt erst auszubilden. Das ist der große Vorteil der klassischen Bildung. Dazu zählt auch die Fähigkeit zu lernen.
Erfahren alle Staaten Europas klassische Bildung?
Ursprünglich war es so, dass in allen Staaten Europas im 19. Jahrhundert klasssische Bildung entwickelt wurde. In den letzten Jahrzehnten wurde diese immer weiter zurückgedrängt. In den Schulbrücke kann man die unterschiedlichen Länder beobachten, dabei stellt sich ein Bild, dass Schüler, die klassisch gebildet sind, über Fähigkeiten verfügen, die andere nicht mehr haben. Das sind vor allem Lernkompetenzen und Allgemeinbildung, aber auch soziale Kompetenzen.
Worin liegt die Schwierigkeit, Jugendliche für die klassische Bildung zu begeistern?
Es ist schwierig, weil wir einem Wahn der Moderne und des Ökonomismus' unterliegen. Die Ökonomie/die Wirtschaft dominiert mittlerweile alle Lebenssysteme und das gesamte Bildungssystem ist darauf ausgerichtet. Die Ökonomie wäre eigentlich dafür da, um die Wirtschaft zu führen, aber sie unternimmt Eingriffe in das Leben der Menschen, obwohl wir eigentlich selbst unser Leben gestalten sollten. Die klassische/humanistische Bildung ist eine Gegenstrategie, die uns darüber nachdenken lässt, was uns als Menschen auszeichnet und wofür und wohin wir unser Leben gestalten sollten.

 

 
 
 
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